Es war ein Reflux, der mich endlich zum Stehen brachte. Nicht die ständige Müdigkeit, nicht die Verspannungen, nicht das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Nein, es musste schon eine unangenehme körperliche Reaktion sein, damit ich verstand, dass ich jahrelang gegen mich selbst gelebt hatte.
Viele Frauen in Führung erkennen ihre Bedürfnisse nicht, sondern sie handeln aus Erwartungen heraus. Wir sind es gewohnt, stark zu sein, durchzuhalten, uns anzupassen. Wir entwickeln so eine Art „Überlebensmodus“ und ignorieren Warnsignale. Bis der Körper irgendwann sagt: „Jetzt reicht’s.“ Dabei ist es so einfach und gleichzeitig so schwer: Wir müssen lernen, wieder auf uns selbst zu hören. Wie im Frühling, wenn die ersten zarten Blumen sich durch den letzten Schnee kämpfen. Sie wissen instinktiv, wann es Zeit ist, nach oben zu wachsen. Wir haben diesen Instinkt oft verlernt. Aber er ist noch da.
Wenn der Körper Warnsignale sendet
Ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als ich täglich zwei Stunden im Auto saß, um zur Arbeit zu fahren. Ich arbeitete mehr als 40 Stunden die Woche. Das war normal für mich. Doch die Fahrtzeit waren auch mindestens 10 zusätzliche Stunden „Arbeit für meinen Körper“ zu meiner Arbeitswoche, wie mir meine Ärztin erklärte. Außerdem wurde ich auch noch gemobbt und hatte keine Unterstützung. „Es wird schon besser“, hieß es in meinem Umfeld. „Du musst nur durchhalten.“ Doch besser wurde es nicht. Stattdessen kam der Reflux – unangenehm, hartnäckig, unübersehbar. Mein Körper hatte mir längst Signale wie Müdigkeit, Gereiztheit, das ständige Gefühl, unter Strom zu stehen, geschickt. Aber ich hatte sie ignoriert. Also musste eine Krankheit her. So merkte ich, dass ich nur funktionierte, durchhielt, immer einsteckte und stark war, aber mir selbst nicht gerecht wurde.
Vielleicht kennen Sie das. Sie sind jeden Tag erschöpft, aber Sie schlafen auch schlecht. Sie fühlen sich gereizt und angespannt, obwohl Sie eigentlich gelassen sein wollen. Sie haben das Gefühl, täglich einen Berg an Aufgaben zu bewältigen, ohne wirklich voranzukommen. Das sind keine Zufälle. Das sind Warnsignale. Ihr Körper versucht, Ihnen etwas zu sagen. Die Frage ist, hören Sie hin?
Burnout-Symptome: Wenn der Körper „Stopp!“ sagt
Körperliche und emotionale Warnsignale sind oft die ersten Hinweise darauf, dass wir gegen uns selbst leben. Typische Anzeichen, die Frauen in Führung ignorieren:

- Körperlich: Ständige Müdigkeit, Verspannungen, Kopfschmerzen, Reflux, Schlafstörungen, Infektanfälligkeit (häufige Erkältungen), Erschöpfung, übermäßige sportliche Betätigung (zum Druckabbau)
- Emotional: Gereiztheit, Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, das Gefühl, „nur noch zu funktionieren“, dauerhaftes Druck- und Stressgefühl, ein großes Bedürfnis nach Ruhe und/ oder Alleinsein, Traurigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen
Frage an Sie: Wann haben Sie das letzte Mal etwas nur für sich getan, ohne schlechtes Gewissen?
Warum wir unsere Bedürfnisse ignorieren
Schon als kleine Mädchen lernen wir: „Sei lieb. Sei fleißig. Beschwere dich nicht.“ Später kommt der Druck hinzu, besser als die Männer sein zu müssen oder wenigstens mitzuhalten, um das gleiche Gehalt zu bekommen oder die gleiche Beförderung. Wir entwickeln Überzeugungen, die uns ständig vorantreiben: „Du darfst keine Fehler machen.“, „Du darfst keine Schwäche zeigen.“, „Bloß nicht auffallen.“, „Du bist für alles verantwortlich.“ Diese Stimmen sind so laut, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse nicht mehr hören.
Doch diese Antreiber machen uns nicht stärker. Sie machen uns müde. Sie lassen uns gegen uns selbst leben und verstellen den Blick auf die eigenen Bedürfnisse. Irgendwann brennt die Kerze an beiden Enden.
Der Frühling flüstert: Hören Sie auf sich selbst
Stellen Sie sich einen Garten im Frühling vor. Bevor neue Pflanzen wachsen können, muss der Boden vorbereitet werden. Altes Laub wird beiseitegeräumt, die Erde wird gelockert, Nährstoffe werden zugeführt. Genauso ist es mit uns. Bevor wir neue Energie finden, müssen wir Platz schaffen. Wir müssen lernen, loszulassen, was uns nicht mehr dient.
Vielleicht ist es die Erwartung, immer verfügbar zu sein.
Vielleicht ist es der Glaube, alles allein schaffen zu müssen.
Vielleicht ist es die Angst, nicht gut genug zu sein.
Was auch immer es ist. Es ist Zeit, es beiseitezulegen. Denn nur dann können wir wachsen und als Frauen in Führung unsere Bedürfnisse erkennen lernen.
Eine einfache Übung für mehr Klarheit
Nehmen Sie sich heute Abend zehn Minuten Zeit, lassen Ihren Tag an sich vorbeiziehen und fragen Sie sich:
- Wann habe ich mich heute frustriert, gestresst, gereizt gefühlt?
- Wann habe ich mich unzufrieden oder erschöpft gefühlt?
Schreiben Sie auf, was Ihnen in den Sinn kommt. Keine Analyse oder Bewertung, einfach nur beobachten.
Partner oder Familienmitglieder, also Menschen, die uns gut und lange kennen und uns nahestehen, fungieren oft als Spiegel. Sie reizen uns unbewusst und zeigen uns damit, wo wir gegen unsere Bedürfnisse, gegen uns selbst leben.
Diese kleine Übung ist der erste Schritt, um Ihre Bedürfnisse wieder kennenzulernen.
Führung beginnt bei Ihnen
Es ist kein Zufall, dass so viele Frauen in Führung das Gefühl haben, im Überlebensmodus zu sein. Wir sind es gewohnt, uns anzupassen, zu funktionieren, durchzuhalten. Aber echte Führung beginnt nicht damit, anderen zu gefallen. Sie beginnt damit, sich selbst treu zu sein.
Vielleicht ist es an der Zeit, sich zu fragen: Was würde passieren, wenn ich einfach mal aufhöre, mich zu verbiegen? Wenn ich stattdessen lerne, mich so zu führen, wie ich wirklich bin – mit meinen Stärken, meinen Grenzen, meinen Bedürfnissen?
Der Frühling zeigt uns, wie es geht. Er kommt nicht mit Gewalt. Er kommt mit Geduld. Mit dem Wissen, dass Wachstum Zeit braucht und dass es sich lohnt, darauf zu warten.
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