neblige See mit Segelboot, dass im Nebel verschwindet als Sinnbild für Weite und Übergang und Loslassen im Herbst durch Coaching für Frauen in Führung

Loslassen im Herbst? Warum Ihre größte Veränderungskraft stattdessen in der Ernte liegt

Loslassen im Herbst – so klingt fast jeder Ratschlag zu dieser Jahreszeit. Morgens liegt Nebel über den Feldern und Seen, die Luft riecht nach feuchter Erde und Pilzen, und unter den Schuhen raschelt das erste Laub. Die Tage werden kürzer, alles wird ruhiger. Und trotzdem, oder gerade deshalb, hängt im Herbst oft derselbe Satz in der Luft: „Es muss jetzt etwas passieren. Es muss sich etwas ändern.“

Ich beobachte das jedes Jahr. Kaum eine Jahreszeit erzeugt so viel Veränderungsdruck wie der Herbst. Frauen, die aus dem Sommer zurückkommen und spüren, dass es so wie bisher nicht weiter geht. Neue Stelle, neue Strategie, neues Angebot. Und zwar sofort.

Doch genau an diesem Punkt liegt aus meiner Sicht fast jeder Herbst-Ratgeber falsch.

Das Herbst-Klischee ist falsch

Schlagen Sie im Herbst eine beliebige Website auf: „Loslassen wie die Bäume“, „Rückzug als Kraftquelle“, „Was uns der Abschied der Blätter lehrt“. Der Herbst ist zum Inbegriff des Loslassens des Jahres, der alten Ziele, der Ansprüche geworden.

Nur ist das die halbe Wahrheit. Der Baum, der seine Blätter abwirft, gibt nicht auf. Er hat seine Ernte eingezogen. Er speichert die Energie des Sommers in Stamm und Wurzeln und gibt nur das ab, was ihn jetzt noch binden würde. Das Laub fällt nicht, weil der Baum sich diszipliniert. Es fällt, weil die Ernte fertig ist.

Das ist der entscheidende Unterschied. Loslassen ist kein Programm, das Sie im Herbst einfach so umsetzen. Es ist das Ergebnis einer Ernte. Wer beides verwechselt, verwechselt Klarheit mit Erschöpfung. Genau daraus entsteht der Kampfmodus.

Was das Loslassen im Herbst mit dem männlichen und weiblichen Prinzip verbindet

Warum fühlt sich der Herbst so antriebsstark an? Ich vergleiche das gerne mit dem männlichen und weiblichen Prinzip im Jahresrhythmus:

Frühling und Herbst sind die männlichen Phasen des Jahres – die Zeit des Säens und Erntens, des Startens und Entscheidens.

Sommer und Winter sind die weiblichen Phasen – die Zeit des Pflegens und Ausruhens, des Vertrauens und Reifenlassens.

Jahresrhythmus der Führung

Die beiden Prinzipien sind keine Geschlechter-Schubladen, sondern zwei Kräfte, die in jedem Menschen wirken. Das männliche Prinzip ist die aktive Kraft. Ziele stecken, beginnen, sichtbar werden, entscheiden. Das weibliche Prinzip ist die haltende Kraft. Pflegen, vertrauen, dranbleiben, reifen lassen.

Im Jahresrhythmus ergibt das ein klares Bild. Frühling und Herbst sind die Zeit der Aktivität. Wir sind von Natur aus aktiv, verändernd, entschlossen. Im Sommer und Winter gilt das Gegenteil. Da wird gepflegt, abgewartet, ausgeruht. Es ist übrigens auch eine Erklärung dafür, warum so viele Silvester-Vorsätze scheitern. Wir versuchen, mitten in der weiblichen Ruhephase zu säen!

Der Herbst-Druck ist also kein Fehler und kein Symptom von Überforderung. Er ist die natürliche Ernte-Phase des Jahres.

Wenn der Herbst-Druck aus dem Kampfmodus kommt

Eine Klientin kam Mitte September erschöpft zu mir. Sie hatte das ganze Jahr über versucht, eine bessere Zusammenarbeit in ihrem Team zu erreichen. Ihre Methode war, immer wieder neue Methoden auszuprobieren. Wenn sie im Internet, auf YouTube oder in den sozialen Medien auf einen Beitrag stieß, der versprach, wie es „100-prozentig“ funktioniert, probierte sie es aus. Brachte die Methode nicht innerhalb weniger Tage Ergebnisse, machte sie sich wieder auf die Suche. Und wieder. Und wieder.

Sie war unermüdlich in Bewegung und trotzdem nicht einen Schritt weiter. Zum Herbstanfang war sie so erschöpft von all der Suche und dem fruchtlosen Ausprobieren, dass sie fast aufgegeben hätte. Fast. Denn sie spürte, dass aufgeben nicht ihr Weg ist.

Genau das ist der Kampfmodus, in dem sich viele Frauen im Herbst befinden. In der ständigen Suche, im ständigem Wechsel, im Gefühl, die Lösung müsse draußen im nächsten Video, in der nächsten Strategie, bei der nächsten Methode liegen. Meine Klientin säte pausenlos. Aber sie pflegte keinen einzigen Samen. Und ohne Pflege kann nichts reifen. Also gab es auch nichts zu ernten.

Ernten statt Loslassen im Herbst

Das erste, was wir taten, war deshalb nicht, eine neue Methode zu finden. Wir haben geerntet. Erst als die Ernte auf dem Tisch lag, haben wir entschieden.

Drei Fragen haben uns dorthin geführt:

1. Was hat in diesem Jahr Früchte getragen? Auch kleine Früchte zählen. Die eine Kollegin, mit der die Zusammenarbeit gut klappt. Das Projekt, das leicht ging. Die Situation, in der sie plötzlich sichtbar war.

2. Was nehme ich davon mit in den Winter? Erkenntnisse, Stärken, Beziehungen, Arbeitsweisen. Alles, was sich bewährt hat und sie im nächsten Jahr trägt.

3. Was lasse ich liegen und warum? Der Unterschied ist entscheidend. Bleibt es liegen, weil es zur Ernte gehört? Oder bleibt es liegen, weil sie erschöpft ist?

Ernten in der Führung

Bei meiner Klientin zeigte die Ernte schnell, wo das Problem lag. Nicht an der Methode, sondern am Fokus. Durch das ständige Hin- und Herschwenken hatte sie keine Chance auf Konsistenz. Ohne Konsistenz keine Chance, dass irgendetwas reift. Also stellten wir einen Plan für die nächsten 90 Tage auf. Nur ein Ziel, nur eine Handvoll konkrete Maßnahmen und die klare Vereinbarung, diese 90 Tage so zu leben, ohne nach neuen Methoden Ausschau zu halten.

Das Coaching läuft noch, ein Endergebnis kann ich also nich nicht liefern. Aber ich kann sagen, dass sie sich seitdem spürbar erleichterter fühlt. Der Druck ist weg. Sie hat wieder eine Struktur, nach der sie sich richtet, anstatt wirr durch die Gegend zu flimmern.

Was echte Veränderung von Flucht unterscheidet

Wie erkennen Sie, ob Ihr Herbst-Druck aus Ernte-Klarheit oder aus dem Kampfmodus kommt? Nutzen Sie drei Unterscheidungen:

  • Die Richtung: Ernte-Veränderung beginnt mit dem Rückblick („Was hat getragen?“). Flucht beginnt mit Abneigung („Weg hier – egal wohin“).
  • Die Begründung: Wer aus der Ernte heraus entscheidet, kann die Ursache benennen. Wer flieht, wechselt die Begründung, sobald jemand nachfragt.
  • Das Tempo: Ernte-Veränderung hat Geduld eingebaut, wie ein 90-Tage-Plan, der erst abgerechnet wird, wenn etwas reifen konnte. Flucht braucht sofort die nächste Bestätigung, sonst fühlt sie sich sinnlos an.

Hier schließt sich der Kreis zu dem, was Führung wirklich stark macht. Wer geerntet hat, weiß, was ihn trägt. Und wer weiß, was ihn trägt, muss sich nicht mehr verbiegen und allem hinterher hetzen. Keiner neuen Methode, keinen Erwartungen, keiner Führungsrolle, die gar nicht zu Ihnen passt. Echte Stärke ist kein Kampf, den Sie gegen sich selbst führen. Sie wächst aus dem, was die Ernte zeigt.

Ihre Ernte-Zwischenbilanz

Bevor Sie in diesem Herbst also irgendetwas umwerfen, ernten Sie erst. Nehmen Sie sich am besten zwanzig Minuten und beantworten Sie handschriftlich:

  1. Was hat dieses Jahr richtig gut funktioniert – und woran genau lag das?
  2. Was nehme ich mit in den Winter – an Erträgen, Stärken, Beziehungen?
  3. Was lasse ich liegen, weil es geerntet werden kann – und nicht, weil ich müde bin?

Was danach noch da ist an Veränderungsdrang, ist echter Drang, dem Sie vertrauen dürfen.

Was der Herbst wirklich bedeutet

Der Herbst verlangt von Ihnen kein Loslassen. Er ist die Erntezeit des Jahres, und Erntezeiten sollen gefüllt werden, mit dem, was Sie eingeholt haben. Die fallenden Blätter sind nicht die Botschaft des Herbstes, sie sind sein Nebenprodukt. Aus einem vollen Speicher lässt es sich ruhig in den Winter gehen und im Frühjahr klug säen.

Wenn Sie gerade genau dieses Es muss sich was ändern–Gefühl kennen, ohne zu wissen, ob es Ernte oder Flucht ist, schreiben Sie mir. Wo wollen Sie gerade, dass sich etwas verändert und was würde passieren, wenn Sie vorher einmal ernten?

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