Motivationsfaktoren finden – meine Erfahrungen aus der Praxis

Welche Motivationsfaktoren gibt es und wie können sie zu einer gesunden Arbeitsverteilung im Team genutzt werden? Das sind zwei zentrale Fragen für jeden, der ein Team führt.
Ich habe mir immer einen einfachen Weg gewünscht um herauszufinden, was jedes Teammitglied wirklich motiviert. Denn Theorie und Praxis unterschieden sich gewaltig.

Es gibt unzählige Modelle darüber, was Menschen motiviert. Sicher haben Sie schon mal von extrinsischer und intrinsischer Motivation gehört. In diesem Modell geht es um Motivation von außen (extrinsisch) oder aus dem Menschen selbst heraus, aus seinem Inneren (intrinsisch).

Weitere Ansätze sind z.B. die Maslow-Theorie, Herzbergs Zwei-Faktoren-Theorie oder die Reiss-Profile.

Diese Ansätze sind zwar durchaus interessant. Doch ich konnte nie wirklich etwas mit ihnen anfangen. Sehr theoretisch und in der Praxis habe ich davon nie etwas anwenden können. Mir war das immer zu starr.

Was nicht verwunderlich ist. Denn wir Menschen sind höchst komplex und lassen uns eben nicht in Schubladen stecken. Deshalb funktionieren solche Theorien im Alltag nach meiner Erfahrung nur unzureichend. Vor allem dann nicht, wenn Menschen merken, dass sie dadurch manipuliert werden sollen.

Was sind Motivationsfaktoren?

Motivationsfaktoren treiben uns an, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Diese Faktoren sind bei jedem Menschen individuell und müssen immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen Umfeld gesehen werden. Deshalb bevorzugen die einen Kollegen eine Aufgabe, die andere fürchterlich langweilig finden. Oder ein Kollege fühlt sich durch den Anreiz einer Belohnung motiviert (Bonuszahlungen sind ja sehr beliebt). Der andere fühlt sich jedoch davon unter Druck gesetzt.

Wenn ich gerade ein Haus baue und Geld benötige, wird eine Prämie motivieren. Wenn ich allerdings gut situiert bin, wird eine Prämie mich nicht zwangsläufig zu Höchstleistungen anspornen. Zumal Bonis sehr schnell als „selbstverständlich“ angesehen werden. Deshalb demotiviert es auch, wenn diese finanziellen Anreize dann nicht mehr gezahlt werden.

Ideal für die Teamarbeit ist es, wenn Menschen zusammenkommen, die sich in ihren Motivationen ergänzen. Dies ist im Betriebsrat umso wichtiger, da es hier keine finanziellen Anreize gibt, den Job zu machen.

Um dennoch herauszufinden, wer im Team warum und zu was motiviert ist, lohnt es sich, darauf ein wenig Zeit und Mühe zu verwenden. Gerade im Hinblick auf die Motivation eines Menschen helfen keine Patentrezepte. Ebenso wenig darf man von sich auf andere schließen.

Nach meiner Erfahrung wirken drei Dinge zusammen: Bedürfnisse, Interessen und Werte.

Bei jedem Menschen sind die Bedürfnisse und Werte in unterschiedlicher Stärke ausgeprägt. Deshalb beeinflussen uns diese auch in so unterschiedlicher Weise, dass es nicht möglich ist, alle Teammitglieder gleich zu behandeln und dann zu erwarten, dass alle motiviert sind.

Motivationsfaktor Bedürfnisse

Was sind Bedürfnisse und wie beeinflussen sie die Motivation?

Die Maslowsche Bedürfnispyramide ist aus meiner Sicht immer noch ein anschauliches und verständliches Erklärungsmodell. Es hat eine klare Hierachie. Laut Maslow muss immer erst die untere Ebene erfüllt sein, ehe der Mensch das Bedürfnis der nächst höheren Ebene anstrebt.

Maslowsche Bedürfnispyramide als Teil von Motivationsfaktoren

Da es sich in diesem Artikel um Motivationsfaktoren in der Teamarbeit handelt, nehme ich die ersten beiden Ebenen als erfüllt an. Interessant wird es bei den nächst höheren Ebenen.

Es gilt herauszufinden, welche Bedürfnisse bei jedem Teammitglied am wichtigsten sind. Wir alle haben die gleichen Bedürfnisse (siehe Grafik). Doch bei jedem bei uns überwiegen einige Bedürfnisse in der Ausprägung.

Wenn jemand im Team ein z.B. starkes Bedürfnis nach Zugehörigkeit hat, dann muss der Teamleiter dafür sorgen, dass sich derjenige auch zugehörig fühlt. Hat ein anderer ein großes Bedürfnis nach Austausch, sollte ihm die Möglichkeit dazu gegeben werden. Haben Sie jemanden im Team, der viel Freiheit benötigt, dann geben Sie ihm diese.

Ich hatte so ein Betriebsratsmitglied in meinem Gremium. Wenn es eine Aufgabe übernommen hatte, war es tödlich, es ständig zu bedrängen und zu fragen, wie weit es denn schon ist mit der Erledigung. Oder irgendwie anders Druck zu machen. Die Reaktion auf mein Nachfragen war ziemlich abweisend, um nicht zu sagen fast aggressiv.

Als mir bewusst wurde, dass nur ein starkes Freiheitsbedürfnis dahinter stand, habe ich mich zurückgehalten. Ich gab ihm die Freiheit, die Aufgabe in seinem Tempo und auf seine Art zu erledigen. Nur auf Termineinhaltung habe ich bestanden. 😊 Das funktionierte dann aber sehr gut und die Zusammenarbeit verbesserte sich gravierend.

Sind Bedürfnisse also nicht erfüllt, kann das zur Demotivation und Störung der Zusammenarbeit beitragen. Beobachten Sie das mal bei sich selbst und in Ihrer Umgebung.

Motivationsfaktor Interesse/ Liebingsthema

Interessen und Lieblingsthemen sind Gebiete, mit denen Sie sich immer wieder befassen, bei denen Sie Neugierde entwickeln, die für Sie einen Wert haben und die bei Ihnen Begeisterung auslösen. Vielleicht fallen Ihnen spontan einige Interessen und Lieblingsthemen ein.

Wichtig ist, dass Sie eine Vorliebe dafür und Wissen darüber angesammelt haben.

Das Gleiche gilt für Ihre Teammitglieder. Welche Themen interessieren wen am meisten? Wer hat in Vestimmten Themenfeldern spezielles Wissen angesammelt? Wer meldet sich immer für die gleichen Aufgaben?

Lieblingsthemen können sich ändern. Im Laufe des Lebens gibt es Phasen, in denen wir uns mehr für ein spezielles Gebiet interessieren. Das kann an der Arbeit liegen, an der jeweiligen Lebensphase oder am Umfeld. Daher können immer wieder Themen dazu kommen oder nachlassen. Nach meiner Erfahrung gibt es jedoch Interessen, die immer präsent sind. Ideal ist es, wenn diese auch in den Beruf einfließen können.

Motivationsfaktor Werte

Wissen Sie, was Sie fasziniert und begeistert? Wonach Sie sich sehnen, es tun zu dürfen?

Oft fällt es uns schwer, diese Dinge zu benennen. Denn dies sind Werte, die unser Handeln bestimmen und für uns selbstverständlich sind. Solange wir nicht geklärt haben, welche Grundsätze im Leben für uns am wichtigsten sind, fischen wir im Trüben und fühlen uns nicht angekommen. Wenn unsere Werte verwirklicht sind, empfinden wir unser Tun als sinnvoll. Wir fühlen uns wirksam, sind zufrieden und erfüllt.


Werte bilden die Grundlage unseres Handelns.
Sie sind unser Warum.


Es gibt viele Werte, die für uns wichtig sind. Sie bestimmen unser Leben. Ob wir mit Freude unseren Alltag und Beruf erleben, ob wir uns ärgern, streiten oder rebellieren, hängt stark davon ob, in wie weit unsere Werte von uns selbst und anderen Menschen geachtet oder missachtet werden.

Werte sind zum Beispiel Gerechtigkeit, Herausforderung, Kreativität, Veränderung, Netzwerken, Helfen.

Es ist also sehr wichtig sein Team dahingehend zu beobachten, wer welche Werte lebt. Wenn Ihnen das klar ist, können Sie darauf achten, Aufgaben denjenigen anzubieten, zu denen sie passen.

Das Geheimnis liegt im Zusammenspiel

Mein Team habe ich immer im Hinblick auf diese drei Punkte beobachtet. Hatte ich ein Bedürfnis, ein Lieblingsthema oder einen essentiellen Wert bei einem meiner Teammitglieder entdeckt, habe ich versucht, dies in der Zusammenarbeit zu berücksichtigen.

Ich habe gelernt, das Menschen handeln wenn:

– ein Bedürfnis nicht erfüllt ist
– eine Aufgabe das Lieblingsthema betrifft
– ein Wert gelebt werden kann.

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Teammitglied, dessen Lieblingsthema Gesundheit ist. Es interessiert sich für alle möglichen Gesundheitsthemen, ist darüber bestens informiert und hat Spezialwissen dazu angesammelt. Wenn es Herausforderungen (Wert) liebt und noch sehr gerne anderen hilft (auch ein Wert), wäre es nicht eine gute Idee, denjenigen einen Gesundheitstag organisieren zu lassen?!

Wenn Sie dann noch das Bedürfnis nach Wertschätzung unterstützen, indem Sie sich z.B. viel austauschen, loben und die Leistung anerkennen, dann haben Sie alle Motivationsfaktoren genutzt und werden kein Problem haben, denjenigen zu motivieren.

Möchten Sie mehr Infos, wie Sie Ihr Team motivieren können?
Dann tragen Sie sich in den e-Mail-Verteiler ein!

Motivationstheorien sind bei mir immer durch die Praxis abgehängt worden. Ich brauchte diese Theorien nicht, um mein Team zu führen. Für mich hat das anders funktioniert. Vielleicht ist das bei Ihnen ja auch so. Dann klammern Sie sich nicht an irgendwelche klugen Theorien, sondern suchen Sie sich Ihren eigenen Weg.

Wenn Sie Fragen haben oder sich dazu austauschen möchten, dann melden Sie sich gern bei mir.

Ich wünsche Ihnen spannende Erkenntnisse.


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2 Kommentare zu „Motivationsfaktoren finden – meine Erfahrungen aus der Praxis“

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